Apfelessig selber machen - Teil 2: Anleitung und Grundlagen

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Apfelessig Teil 2 - Anleitung mit Tipps & Tricks für die Essigherstellung

Im  1. Teil habe ich über meine ersten Versuche bei der Herstellung von Apfelessig berichtet. In diesem 2. Kapitel habe ich nun alle meine selbst gemachten Erfahrungen zu einer ausführlichen Anleitung zusammengefasst. Starten Sie doch einfach selbst einen Versuch und machen Sie Ihren eigenen Essig! Für die ersten Versuche brauchen Sie  nur wenig Utensilien:

1. Herstellung des Grundweins

Füllen Sie einen Liter frischen, kaltgepressten Apfelsaft (Süßmost) in ein sauber ausgespültes Glasgefäß mit großer Öffnung und etwa 3-5 l Volumen. Das Gefäß darf nicht verschlossen werden, denn die Essigbakterien brauchen Sauerstoff um zu Arbeiten. Um Essigfliegen u.a. abzuhalten, decken Sie das Glas nur mit einem leichten Tuch ab und fixieren es mit einem Gummiring. Stellen Sie das Glas am besten gleich an einem warmen Ort bei 23-27 °C auf. (Mein Tipp: Heizungskeller!) Der Most fängt nach wenigen Tagen an zu gären, d.h. der im Saft enthaltene Zucker wird durch die sich vermehrenden Hefepilze in Alkohol umgewandelt, es entsteht der Apfel-Grundwein für Ihre beginnende Essigproduktion.

2.Die Anzucht der Essigmutter
Wenn man soviel Glück hat wie ich bei meinem ersten Versuch, siedeln sich nun auch bald die Alkohol und Wärme liebenden Essigbakterien an und verarbeiten den entstandenen Alkohol zu Essig. Wenn nach 2-4 Wochen der Ansatz vielleicht etwas seltsam riecht, ähnlich wie Uhu oder Aceton, braucht Sie das aber nicht weiter zu beunruhigen: Es sind nur die Anzeichen dafür, dass bereits Essigbakterien aktiv und bei der Arbeit sind. Mit Fortschreiten der Essiggärung  verschwindet auch der Geruch. Wenn alles nach Plan verläuft,  wird sich auf  Ihrem Ansatz bald eine Art Haut bilden, die ersehnte Essigmutter.

Man darf aber, vor allem zu Beginn, nicht gleich die Geduld verlieren. Nicht immer und nicht überall schwirren genügend "gute" Essigbakterien in der Luft herum, um den Ansatz zügig zu besiedeln und den Alkohol in Essig umzuwandeln. Wer auf dem Land lebt ist dabei klar im Vorteil!

Ansatz mit Essigmutter  Apfelsessigansatz   
Foto 1 -3: Auf dem Ansatz bildet sich eine klare, dünne Haut, die Essigmutter. Diese wird mit der Zeit immer fester, undurchsichtiger und dicker. siehe Foto Kapitel 1

3.Vergrößern des Ansatzes
Mit nur einem Liter Essig werden Sie sich doch sicher nicht zufrieden geben? Wenn sich eine Essigmutter gebildet hat und der Ansatz auch schon nach Essig riecht und schmeckt, kann man die Fabrikation allmählich starten und die "alkoholabhängigen" Essigbakterien mit weiterem "Stoff" versorgen. Gießen Sie dazu einen Liter Apfelmost vorsichtig in Ihr Gefäß, damit die Essigmutter möglichst nicht absinkt. Falls das doch geschieht ist es aber kein Beinbruch. Die Essigmutter kann auch ohne Ihr Zutun absinken, wenn sie zu groß und zu schwer geworden ist. Sie bildet sich dann an der Oberfläche neu, denn nur dort kommen die Essigbakterien an den nötigen Sauerstoff heran. Seitenanfang

Man nennt diese Methode der heimischen Essigherstellung deshalb auch "offenes" Verfahren, Oberflächenverfahren oder Orleáns-Verfahren. Bei der industriellen Essigherstellung wird meist das Submers-Verfahren angewandt. Dabei findet die Essiggärung in verschlossenen Tanks statt und der benötigte Sauerstoff wird über Pumpen zugeführt. Die Bakterien werden dabei immer in der Schwebe gehalten und bilden durch die ständige Bewegung keine Essigmutter aus.

Wenn alles gut verläuft, füllt man nach zwei Wochen wieder mit einem weiteren Liter Most auf und  nach weiteren zwei Wochen nochmal. Das Gefäß sollte aber nur zu 2/3 gefüllt werden, damit die Oberfläche des Essigs möglichst groß ist und ein ausreichender Luftraum verbleibt. Nun überlässt man diesen Ansatz in Ruhe sich selbst - schnüffeln und kontrollieren ist aber erlaubt! gif 

4. Abfüllen und Lagern
Nach etwa 3-6 Monaten kann ein Teil des Essigs abgezogen und nach dem Filtern (Kaffefilter) in Flaschen abfüllt werden. Wann es soweit ist, muss man durch gelegentliches Probieren selbst herausfinden. Man lagert nun diesen Rohessig noch einige Wochen verschlossen, kühl und dunkel. Durch die Lagerung klärt sich der Essig und der Geschmack reift aus. Nach dieser Zwischenlagerung wird der Essig nochmals gefiltert und zur endgültigen Verwendung in schöne Flaschen abgefüllt.

5. Die Produktion in Gang halten
Man belässt einen Teil des Essigs mit Essigmutter im Ansatzgefäß, füllt wieder Apfelmost nach und macht weiter, wie oben unter Punkt 3 beschrieben. Auf diese Weise kann man die Essigherstellung bis zur gewünschten Endmenge fortsetzen. Bei richtiger Pflege, das heißt bei gleich bleibender, warmer Temperatur, regelmäßiger Entnahme von Essig und Zufuhr von neuem Wein, kann eine solche Kultur während vieler Jahre am Leben erhalten werden und liefert kontinuierlich Essig. Wenn die Essigmutter groß genug ist, kann man sie auch teilen und für neue Ansätze verwenden oder an Freunde weitergeben. Wird einmal kein weiterer Essig benötigt, lagert man die Essigmutter in etwas Essig und Apfelwein kühl und dunkel, aber nicht im Kühlschrank! Die Essigbakterien stellen nun vorübergehend ihre Arbeit ein, sterben aber nicht ab.

Einen Wermutstropfen gibt es aber: Essig selbst zu machen ist nichts für Ungeduldige! Die Essigbildung verläuft sehr langsam und es kann viele Wochen dauern, bis der erste eigene Essig fertig im Küchenschrank steht. Wenn aber erst einmal alles in Schwung gekommen ist, steht der häuslichen Essigproduktion nichts mehr im Wege. Ich wünsche allen Hobby-Essigproduzenten viel Erfolg und ein gutes Gelingen!

Ansatz starten mit vorhandener Essigmutter
Falls Ihnen vielleicht ein guter Freund eine Essigmutter geschenkt hat, können Sie Schritt 1, Herstellung des Grundweins, natürlich überspringen und gleich mit der eigentlichen Essigherstellung beginnen. Legen Sie dazu die Essigmutter in Ihr Ansatzgefäß und geben Sie einen Liter Apfel- oder Traubenwein dazu, je nach Art der Essigmutter, die Sie bekommen haben. Fahren Sie nun wie ab Punkt 3 beschrieben fort. Eine Essigmutter für Apfel- Weiß- oder Rotwein wird manchmal auch bei Auktionen, z.B. bei ebay oder auvito, angeboten. Bei diesen privaten Angeboten handelt es sich um eine "echte" Essigmutter aus dem Oberflächen-Verfahren. Man kann es natürlich auch mit den sog. Starterkulturen versuchen und geht dann laut der beiliegenden Anleitung vor. Diese flüssigen und in kleinen Fläschchen angebotenen Essigkulturen stammen aus der Submers-Produktion und bilden keine Essigmutter aus.  Ich selbst habe aber mit diesen Starterkulturen noch keine eigenen Erfahrungen gemacht.

Nützliches Zubehör für die Essigherstellung
Bei meiner Suche im Internet habe ich einen schönen Shop gefunden, der hilfreiches Zubehör für die Wein- und Essigherstellung anbietet. Als Ansatzbehälter oder zur Lagerung des fertigen Essigs gibt es dort z.B. Weithals-Glasballons, Getränkefässer und Glasballons, mit und ohne Ablasshahn. Besonders ein spezieller Essig-Glasbehälter mit Gestell und Ablauf hat es mir angetan, den möchte ich zu gerne haben. Er ist in Größen von 5-20 Litern erhältlich.  Ich werde ihn auf meine Wunschliste für Geburtstag oder Weihnachten setzen, vielleicht macht mir ja jemand die Freude...

Heilig Abend 2009: Der ersehnte Behälter lag tatsächlich unter dem Weihnachtsbaum. Danke, lieber Weihnachtsmann!

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